SGA verteidigt Tabellenführung

Nach fast zweimonatiger Spielpause kam es heute zum mit Spannung erwarteten Spitzenduell gegen Friedberg I. Beide Mannschaften liefen in Bestbesetzung auf – ein 4:4-Unentschieden war daher ein leistungsgerechtes Ergebnis. 

Mannschaftsbild vor dem Duell gegen Friedberg.

Brett 1: Denis 

Diesmal war ich der Erste, der seine Partie beendete, und konnte einen halben Punkt beisteuern. Dabei hätte die Begegnung für mich durchaus schon deutlich früher zu Ende sein können – nämlich nach dem zehnten Zug von Weiß. Wie konnte es dazu kommen? 

Natürlich wollte ich gegen Friedberg mit Schwarz auf Gewinn spielen und wählte daher die Holländische Verteidigung als Antwort auf 1.d4. Die gängigen Nebenvarianten und Gambits nach 1…f5 waren mir zwar bekannt – allerdings nicht jede Nebenvariante der Nebenvarianten. So entstand im Staunton-Gambit (1.d4 f5 2.e4) nach 9…De7? die folgende Stellung. 

Welcher weiße Zug hätte hier bereits entscheidend sein können? 

Nach 10.Th3! hätte Schwarz wohl aufgeben können. Weiß droht Te3, und auch ein Befreiungsversuch mit f5 nebst f4 hilft nicht weiter, da der weiße Springer unter Schach nach d6 oder f6 zieht und die schwarze Dame verloren geht. 

Ich sollte jedoch noch einmal Glück haben und mit einem blauen Auge davonkommen, denn mein Gegner entschied sich recht schnell für 10.0–0–0. Danach gelang es mir, die Damen zu tauschen und mit einem Bauernopfer meine Entwicklung abzuschließen. Zwar hatte Weiß am Ende noch einen Mehrbauern, doch mein Läuferpaar und die aktive Figurenstellung veranlassten ihn bereits im 19. Zug zu einem Remisangebot, das ich natürlich dankbar annahm. 

Spielstand 0,5 : 0,5

Brett 5: Evander (eigene Analyse) 

"Gegen Gerald Weigl (DWZ 1828) spielte ich meine erste Partie mit Schwarz in dieser Saison. Alle guten Vorsätze umgesetzt: pünktlich geschlafen, pünktlich erschienen, gesündere Snacks.

Aus der Damengambit-Abtauschstruktur heraus spielte ich solide. Er hatte lang rochiert, ich kurz – beide konnten angreifen. Meine einzige Ungenauigkeit: Ich wickelte zu früh ins Endspiel ab und gab meinen leichten Vorteil auf. Im ausgeglichenen Endspiel machte er dann den entscheidenden Fehler: Sein Turm griff meinen g-Bauern an, ich sperrte ihn mit einem Springermanöver und g6 ein. Er hätte mit einem Bauernopfer zäh verteidigen können – das sah er nicht. Ich gewann die Qualität, die Verwertung war sauber. 

Stellung nach 18.Th5, Schwarz am Zug

Fragen zum Selbst-Nachdenken: 

  1. Was ist der pragmatisch beste Zug für Schwarz?
  2. Was ist die beste Fortsetzung für Weiß?

Lösung:

Der natürliche Zug ist f6 (Bauer deckt Bauer). Aber Sf6 ist aktiver – er deckt den Bauern nicht, fordert aber zu Fehlern heraus. Nach Txg5 g6 ist der Turm eingesperrt. Beste Verteidigung für Weiß: e4 – nach dxe4 kann der Turm über die fünfte Reihe entkommen, jedoch ist wahrscheinlich am akkuratesten e4 mit schwarz nicht zu nehmen. 

Am Ende ein Sieg mit 98 Prozent Accuracy, nur eine Ungenauigkeit. Meine beste Partie der Saison." 

Spielstand 1,5 : 0,5

Brett 8: Zachi (immer noch Mr. 100%) 

Wie sagte einst Gary Lineker bei der WM Niederlange 1990: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen“ Beim Schach sind es zwar nur zwei Spieler, und wie lange eine Partie dauert, lässt sich selten genau vorhersagen – aber dass am Ende Zachi gewinnt, traf bislang in allen fünf Runden zu. Auch heute wieder. 

Wobei es auch fast immer so war, dass ich zwischendurch Zweifel hatte, ob nicht heute die Serie reist. Aber zum Glück nicht. Den letzten Fehler macht bisher immer seine Gegner. In der heutige Partie war Zachi gut auf seinen Gegner eingestellt und hatte nach der Eröffnung ein konkreten Plan. Angriff am Königsflügel bei entgegengesetzten Rochaden. 

Weiß hatte am Königsflügel bereits einen Bauern geopfert, um Linien zu öffnen, als Schwarz den entscheidenden Fehler 21....Sxe2 ?? spielte. 

Diesen Springer tauschte Weiß ab und konnte mit den nächsten 2 Zügen seine Schwerfiguren auf der g-Linie verlagern, so dass Schwarz nichts anders übrig blieb als sich geschlagen zu geben. 

aktueller Spielstand 2,5:0,5

Brett 7: Wolfgang 

Wolfgang kam aus der Eröffnung etwas besser heraus, stellte jedoch im Mittelspiel einen Zentrumsbauern ein, was Weiß deutlichen Vorteil verschaffte. Durch geschicktes Gegenspiel am Damenflügel konnte Schwarz jedoch die Initiative zurückerobern und stand am Ende sogar besser. Da beide Spieler unter Zeitnot litten, einigte man sich schließlich auf Remis. Etwas schade für uns, doch letztlich sollte dies nicht entscheidend für den Ausgang des Wettkampfes sein. 

aktueller Spielstand 3:1

Brett 4 - Hans 

Hans behandelte die Eröffnung leider nicht optimal, sodass sein Gegner mit den schwarzen Steinen schon früh die Initiative übernehmen konnte. Ungenauigkeiten von Schwarz ermöglichten es ihm jedoch, den Angriff abzuwehren, einen Bauern zu gewinnen und schließlich selbst auf Gewinn zu spielen. Im entstandenen Endspiel tauschte Hans jedoch zu viele Bauern ab, sodass sein Gegner schließlich mit einem Figurenopfer auch den letzten verbliebenen Bauern beseitigen konnte. Damit war die Partie nicht mehr zu gewinnen. 

aktueller Spielstand 3,5:1,5

Brett 6 – Manuel 

Auch Manuel war eigentlich gut auf seinen Gegner vorbereitet, da er dieselbe Eröffnung erst wenige Tage zuvor gegen mich in der Vereinsmeisterschaft auf dem Brett gehabt hatte. Zudem behandelte sein Gegner die Eröffnung ungenau und nahm bereits im siebten Zug ein Bauernopfer an, was Weiß Initiative und Angriffschancen versprach. 

Manuel hatte daraufhin zwei Züge lang die Möglichkeit, mit einem weiteren Bauernopfer eine Gewinnstellung zu erreichen, übersah jedoch leider das Motiv …d5. Da die Eröffnung beide Seiten bereits viel Zeit gekostet hatte, schlug das Pendel wenig später zugunsten von Schwarz aus, und Friedberg konnte den ersten Sieg verbuchen. 

Hier hätte Weiß nach 14.d5 ! entscheidenden Vorteil erlangen können. 

Friedberg holt auf. Nur noch 3,5 : 2,5 und 2 Partien liefen noch.

Brett 3 - Thomas (eigene Analyse) 

"Ich spielte an Brett 3 gegen Ralf Bendel. Da Ralf ein häufiger und gerngesehener Gast bei der SGA ist, wusste ich, dass ich mit "Hoppla-Hopp-Eröffnungen" gegen ihn keine Chance haben würde und unternahm den verzweifelten Versuch eine Theorievariante zu erlernen. Tatsächlich hatte ich nach 12 Zügen mit Schwarz eine 0,00-Stellung erreicht, doch mein erster eigener Zug, der die gegnerische Bauernstellung auf Kosten des Läuferpaares zertrümmerte, wird von der Engine schon als Ungenauigkeit kritisiert (-0,5). In der Folge spielte Ralf mit Läuferpaar und guter Zentrumskontrolle stark und vergrößerte seinen Vorteil. Ein Befreiungsversuch brachte mir einen Minusbauern ein. Im schwierigen Endspiel gab es noch einige Ungenauigkeiten beiderseits, doch der vermeintlich "einfache Remisweg" den ich und einige Mannschaftskameraden halluzinierten, war keiner und die schlangenartigen Läufermanöver, mit denen man noch Gegenwehr hätte leisten können, fand ich nicht. Insgesamt ein recht verdienter Sieg für Ralf." 

Spielstand 3,5 : 3,5 die letzte laufende Partie sollte also entscheiden

Brett 2 – Martin 

Die Partie von Martin war sicherlich eine der spannendsten des Tages und sollte letztlich auch über den Ausgang des Wettkampfes entscheiden. Beide Spieler schienen gut vorbereitet und folgten bekannten Vorgängerpartien bis zum 15. Zug. Erst als Schwarz hier mit 15…Df6 abwich und Martin sich für den zweischneidigen Zug 16.Td6?! entschied, nutzte Schwarz die Gelegenheit, mit einem taktischen Motiv die Qualität zu gewinnen. 

Nach 16…Sd4! musste Weiß zwangsläufig die Qualität geben. Allerdings verfügte er über ausreichende Kompensation, und die Stellung blieb weiterhin unklar – mit beiderseitigen Chancen. 

Im weiteren Partieverlauf wechselte die Initiative mehrfach. Mal stand Weiß aussichtsreicher, mal schien Schwarz klar auf Gewinn zu stehen. 

Nach dem letzten weißen Zug 44.g4! war die Stellung jedoch objektiv gewonnen für Weiß. Um das Manöver Dh3+ nebst Matt zu verhindern, blieb Schwarz nichts anderes übrig, als die Dame gegen zwei Leichtfiguren zu opfern. 

Leider gelang es Martin in der Folge nicht, die geschickte Verteidigung seines Gegners zu durchbrechen, sodass nach 51…Txf5 eine ausgeglichene Stellung entstand. 

Nach weiteren weißen Gewinnversuchen einigte man sich schließlich im 73. Zug in der entstandenen Schlussstellung auf Remis. 

Am Ende nach über 5 Stunden Spielzeit ein gerechtes 4:4. 

Beim gewohnten gemeinsamen Essen wurde noch viel analysiert und bereits die Strategie für den nächsten, vielleicht entscheidenden Kampf gegen Kriegshaber besprochen. 

Im Hintergrund diesmal Spieler eine Volleyball Mannschaft zu sehen , die ihr Spiel allerdings 3:0 verloren hatten.