Saisonfinale in Friedberg

Ein Bericht von Evander

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass es zur sechsten Runde keinen Bericht gab. Unser Heimspiel gegen Tabellenführer SK Kriegshaber II endete mit einer deutlichen 2:6-Niederlage, der einzigen der Saison, aber einer, die wehtat. Schlussendlich konnte sich danach keiner so richtig motivieren, einen Bericht zu schreiben. Das gemeinsame Essen fand zwar wie gewohnt statt, doch die Stimmung war merklich gedrückter als sonst. Immerhin konnte ich persönlich aus einer ziemlich offensichtlichen Verluststellung im Endspiel noch ein Remis retten, ein halber Punkt, der den Nachmittag etwas versöhnlicher machte.

Einige Wochen später ging es dann zum Saisonfinale auswärts nach Friedberg zum Tabellenletzten SK Friedberg II. Die Rechnung war einfach: Wir mussten hoch gewinnen, mit möglichst vielen Brettpunkten, und bei den anderen Mannschaften musste es schlecht laufen. Konnte die Mannschaft nach dem Rückschlag noch einmal alles mobilisieren?

Zunächst einmal ein personeller Rückschlag: Martin und Zacha standen nicht zur Verfügung. Zacharias war im Urlaub, aber es gibt ja auch Dinge, die wichtiger sind als Schach. Martin überließ die Mannschaftsführung an Thomas Steiner. Dafür sprangen Otto Hutter und Werner Kirchmeir ein, zwei Spieler, die in der bisherigen Saison bereits gute Arbeit geleistet hatten. Die restliche Aufstellung rückte auf, sodass ich selbst erstmals an Brett 4 statt an meinem gewohnten Brett 5 saß.


Otto kam erst später dazu und fehlte auf dem Mannschaftsfoto. Denis und ich fragten uns: Kann KI ihn nachträglich einfügen? Denis war skeptisch. Ich habe es ausprobiert, zugegebenermaßen ohne viel Zeit zu investieren. Das Ergebnis: Otto steht überzeugend in der Gruppe. Allerdings hat die KI nebenbei auch ein paar andere Dinge "verbessert", zum Beispiel ist meine Nase etwas gewachsen. KI kann das sicher noch besser, aber für einen ersten Versuch: nicht schlecht.

Die Partien im Folgenden sind ungefähr in der Reihenfolge beschrieben, in der sie beendet wurden. Ich habe es nicht ganz genau mitbekommen.

Brett 8: Werner Kirchmeir

Den schnellsten Punkt des Tages holte Werner gegen Alexander Falch (DWZ 1348). Mit Schwarz übernahm er früh die Kontrolle und ließ bei einem Ratingunterschied von über 300 Punkten nichts anbrennen.

Spielstand: 0 : 1

Brett 3: Hans Kampen

Hans traf auf Joachim Rauss (DWZ 1775), den Spieler, auf den ich mich im Vorfeld ein bisschen vorbereitet hatte, da er ursprünglich als mein wahrscheinlichster Gegner an Brett 4 gehandelt wurde. Doch die Aufstellung von Friedberg II verschob sich, und so saß Rauss statt mir gegenüber Hans.Hans packte eine aggressive Gambit-Eröffnung aus, die Rauss sichtlich überforderte. Rauss kam schnell in Schwierigkeiten, Hans gewann die Qualität und verwertete den Vorteil, auch wenn die technische Umsetzung etwas länger dauerte als es objektiv nötig gewesen wäre. Eine überzeugende Vorstellung.

Spielstand: 0 : 2

Brett 2: Thomas Steiner

Thomas spielte überzeugend gegen Georgi Kostov (DWZ 1849). Mit Schwarz baute er einen starken Angriff auf, sein Gegner gab eine Figur für Kompensation, doch es reichte bei weitem nicht. Thomas wickelte sicher ab und holte den dritten vollen Punkt. Auch eine sehr überzeugende Vorstellung.

Spielstand: 0 : 3

Brett 6: Wolfgang Angeli

Bei Wolfgang sah es lange so aus, als würde er Druck machen. Leider wendete sich das Blatt, und gegen Marco Treiber (DWZ 1639) lief die Partie am Ende nicht nach Plan. Friedberg konnte einen Punkt einfahren. Solche Sachen passieren, und Wolfgang hat in dieser Saison an anderer Stelle wichtige Punkte beigesteuert.

Spielstand: 1 : 3

Brett 4: Evander Hammer (eigene Analyse)

Gegen Martin Pfitzmaier (DWZ 1769) spielte ich erstmals an Brett 4. Mein Gegner überraschte mich gleich im ersten Zug mit 1.c4. Ich hätte gehofft, dass er dann bald d4 spielt, aber wie viele 1.c4-Spieler tat er das nicht. Aus der Mikenas-Carls-Variante entstand eine Stellung, die ich überhaupt nicht kannte. Ich musste jeden einzelnen Zug selbst am Brett finden, und das kostete Zeit.

Viel Zeit. Bei Zug 8 hatte ich noch eine Stunde auf der Uhr, bei Zug 12 nur noch 27 Minuten. In Zug 13 bot mein Gegner Remis an, er hatte selbst noch eine gute Stunde. Ich lehnte ab. Dann passierte etwas Erstaunliches: Er überlegte bei seinem nächsten Zug volle 45 Minuten und hatte danach nur noch 17 Minuten. Bei Zug 16 hatten wir beide gerade noch 5 Minuten auf der Uhr. Ab da ging alles sehr schnell.

In Zeitnot machte er dann einen Fehler:

Schwarz am Zug. Wie kommt Schwarz in entscheidenden Vorteil?

Mit 22...Lxh3! gewann ich Material: Nach 23.gxh3 Dxf3 steht Schwarz klar besser, der weiße König ist schutzlos. Doch statt den Vorteil mit dem ruhigen 24...Dh5 zu konsolidieren, griff ich mit 24...Dxh3?? daneben und gab alles wieder her. Vier beiderseitige Fehler in wenigen Zügen, so geht es eben, wenn beide Spieler unter 5 Minuten haben.

Zum Glück revanchierte sich mein Gegner mit dem sofortigen 26.Tg3?? und ich gewann zwei Bauern. Er war sichtlich angespannt mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr und verlor am Ende auf Zeit. Ich war selbst überrascht, wie ruhig ich in der Situation geblieben bin. Emotional hatte ich nie das Gefühl, dass ich die Partie verlieren könnte, auch wenn ich objektiv in einem Moment schlechter stand.

Keine Glanzpartie, aber ein Sieg ist ein Sieg. Und wie in den vorangegangenen Runden hatte ich auch heute wieder leckere Getränke und Snacks dabei, was den einen oder anderen wohlgemeinten Kommentar der Mannschaftskollegen einbrachte. Aber Schachspielen ist ja nicht nur das Spiel an sich: Man nimmt sich einen ganzen Sonntagnachmittag Zeit für ein Brettspiel, und da darf man sich auch was gönnen.

Spielstand: 1 : 4

Brett 1: Denis Wiegner

Denis hatte mir die Aufgabe übertragen, den Bericht für seine Partie zu verfassen. Sein einziger Wunsch: „Bitte geh nicht zu hart mit mir ins Gericht!" Am Montag haben wir dann gemeinsam am Spielabend seine Partie ausführlich analysiert, man könnte noch sehr viele Aufgaben und Stellungen daraus machen, aber ich will hier nicht den Bericht sprengen.

Denis wählte gegen Helmut Kessler (DWZ 1797) das Colle-System (in der Rubinstein-Variante) und kam zunächst gut in die Partie. Bereits nach 11...h5? seines Gegners hätte 12.c4! klar auf Gewinn gestanden. Doch Denis ließ sich mit 12.hxg4?! auf Komplikationen ein, die nicht nötig gewesen wären. Das war aus meiner Sicht der entscheidende Moment der Partie, denn ab da war alles unnötig kompliziert. Seine eigene Diagnose: „Unnötig, sich auf Verwicklungen einzulassen."

Trotzdem stand Weiß lange besser, und nach 16.Lg6+ konnte Schwarz nicht mehr rochieren. Denis hatte die Initiative. Doch dann folgte der kritischste Moment:

Schwarz am Zug. Wie hätte Kessler hier die Partie sofort entscheiden können?

24...Txf3! ist der entscheidende Zug. Nach 25.Kxf3 Ld4! hat Schwarz mit der Drohung Sxe5+ einen verheerenden Angriff. Kessler sah es nicht und spielte 24...Se7??, dadurch ging die Partie weiter. Doch wenige Züge später kam der nächste kritische Moment:

Schwarz am Zug. Welcher spektakuläre Zug bringt die Partie in eine ganz andere Richtung?

30...Dxe3!! Ein Damenopfer, das die Partie in eine völlig andere Richtung bringt. Nach 31.fxe3 Lxf3+ hat Schwarz zwar keine Dame mehr, aber zwei Türme und einen Läufer, die den weißen König verheerend angreifen, während die weiße Dame schwer in die Verteidigung eingreifen kann. Selbst danach hätte 40.Dg4! noch zum Remis gehalten, aber die Gründe dafür sind alles andere als trivial.

Weiß am Zug. Wie kann Weiß die Partie noch halten?

40.Dg4! war der einzige rettende Zug. Dadurch kann man den Turm nicht gewinnbringend abziehen. Denis zog stattdessen zu schnell 40.De8?? und nach 40...Txb2+! 41.Kxb2 Tc2+ 42.Kb1 Tc8+ gewinnt Schwarz die Dame.

Denis ist der mit Abstand stärkste Spieler im Team, und gerade deswegen: Manchmal lohnt es sich, bei jedem Zug kurz innezuhalten und die Kandidatenzüge bewusst durchzugehen, bevor man zieht. Aber am Ende kann man nicht alles kontrollieren, manchmal hat man einfach einen schlechten Tag. Denis gibt offen zu, seinen Gegner unterschätzt und nicht immer konzentriert genug gespielt zu haben. Und Kessler, das muss fairerweise gesagt werden, spielte in dieser Saison groß auf: Mit 3,5 aus 7 und einem DWZ-Zuwachs von 23 Punkten war er keineswegs ein Gegner, den man unterschätzen durfte.

Spielstand: 2 : 4

Brett 7: Otto Hutter

Otto wählte seinen bewährten Bird-Angriff (1.e3) und entwickelte seine Figuren solide. Sein Gegner Raphael Bauer (DWZ 1439) geriet früh unter Druck und gab Material. Otto spielte den Vorteil souverän runter und setzte am Ende ein ästhetisches Matt mit Db8# auf das Brett, ein Schlussbild, das man so selten sieht. Danach ging es für Otto erst mal zum Eisbaden als Erfrischung.

Damit schließt Otto seine Saison mit einer makellosen Bilanz von 2 aus 2 ab.

Spielstand: 2 : 5

Brett 5: Manuel Waibel

Die letzte Partie des Tages gehörte Manuel. Gegen Dirk Reihs (DWZ 1712) wurde er in der Eröffnung etwas überrascht, konnte aber eine Stellung mit guter Kompensation aufbauen. Es folgte ein langes Mittelspiel, in dem die Frage im Raum stand: Damen tauschen oder nicht? Mit dem Tausch hält man die Kompensation, aber bei weniger Material auf dem Brett wird es schwieriger, den Vorteil umzusetzen. Manuel drückte lang und hatte an einigen Stellen mehr, doch die Umsetzung war nicht trivial. Im Endspiel stand es auf zwei Ergebnisse. Es sah für Manuel gut aus, doch objektiv war es ein relativ klares Remis.

Ein solider Abschluss.

Endstand: 2½ : 5½ für die SG Augsburg 1873.

Anschließend ging es, wie in dieser Saison zur Tradition geworden, zum gemeinsamen Essen beim Inder. Die Stimmung war deutlich besser als nach der Runde 6.